Kopfkino vor dem Tatort? Warum wir schwierige Gespräche gern verschleppen.

Zwei Sessel an einem runden Tisch in einem warm beleuchteten Beratungsraum.

KI-generiertes Symbolbild

Die einfache Antwort: weil wir unterschiedlich sind, als Mensch.

Ich weiß nicht, was es bei Ihnen ist; finden wir es heraus!

Es wird schnell kompliziert:

Ein Thema ist eingeordnet in unser Denken und Fühlen. Das passiert einfach so, weil wir leben und es ist gut so, dass wir es einordnen.

Das Thema des Gesprächs ordnen wir wohl ein, weil es für unser berufliches und privates Handeln, einen Hintergrund gibt und wir dem eine Bedeutung zuschreiben.

Manchmal wird es „verrückter“, komplizierter: wir nehmen etwas an, wozu uns oft leider das Tatsächliche fehlt, die Fakten, die Klarheit; Unsicherheit durch Unklarheit breitet sich aus und vernebelt unser Denken und beeindruckt unser Fühlen. Doof.

Wir konstruieren, interpretieren, bewerten – am besten abends im stillen Kämmerlein oder Sonntagnachmittag, kurz vor dem Tatort – wann denn auch sonst.

Manchmal denken wir, zu wissen, was der Andere erwartet, kann schon sein. Leider nehmen wir auch das viel zu oft nur an, es wird nicht klar kommuniziert, nicht von demjenigen, und wir fragen nicht nach.

Manchmal wissen wir auch sehr genau, was auf dem Spiel steht, schließlich tragen wir Verantwortung für eine Sache, für Prozesse und für Menschen; über die Reihenfolge der Aufzählung entschieden Sie bitte.

Bis hierher ist es ein bescheidener bunter Mix aus Annahmen, Erwartungen und Fehlern beim Interpretieren und unseren eigenen gedanklichen Konstruktionsübungen.

Noch mehr Gründe?

Kennen Sie das: schwierige Gespräche zu führen fällt dem einen oder anderen auch „nur“ deswegen schwer, weil sie mit Unsicherheit, Verletzlichkeit und dem Risiko von Ablehnung verbunden sind?

Wir wissen nicht sicher, wie eine Person reagieren wird, auch das vermuten wir viel zu oft nur.

Allerdings und leider ist dieses Vermuten bei einigen Menschen so stark, dass sie es wie ein „Abwehr-Schutz-Schild“ vor sich hertragen und ein anderer fast keine Chance hat, weiterzukommen in der Sache, mit dem Thema, mit dem Anliegen. Doch das ist etwas, was ich an dieser Stelle offenlasse, es zu erörtern.

Es ist nicht sehr komfortabel, ein Gespräch mit diesen vielen „Unbekannten“ zu führen.

Ach ja, Unbekanntes:

Mir persönlich fällt es schwerer, mit sehr nahen Menschen, Themen anzusprechen, die zwar klar erscheinen bezogen auf das Anliegen, jedoch sensibel besetzt sein können durch „wir sind Menschen“; ja, auch ich bin nicht frei von Annahmen.

Anmerkung: unser „Erleben“ ist bestimmt von eigenen Annahmen. Die Tiefe der Verbundenheit und das sich wechselseitig Kennen erschwert mein sicheres Agieren. Achtung: Auch nur eine Annahme von mir.

Und dann haben wir auch damit zu tun: die Fähigkeit, Zurückhaltung zu üben, den Wunsch nach Harmonie, die Fähigkeit, Konflikten aus dem Weg zu gehen, Machtstreben, Ängste, eine Scheu vor Konfrontation; was fällt Ihnen dazu ein?

Die Folgen, nüchtern aufgereiht:

Schweigen, das Ausweichen vor dem Gespräch, Kontaktabbruch, das Verschleppen ungeklärter Sachverhalte, eine Zunahme von Missverständnissen, Beziehungsverlust und am Ende, im beruflichen Zusammenhang: Fehlleistungen, Qualitätsverlust, Fehler, Krisen, Katastrophen.

Ich übertreibe? Wenn Sie meinen.

Wie würde ich vorgehen?

  1. Ruhe, Zeit und Geduld
  2. durchdenken, sich selbst checken, sich seine eigenen Emotionen – das Denken und Fühlen – verdeutlichen
  3. Die Seite des Gesprächsteilnehmenden – wenigstens seine Situation durchdenken.
    Vorsicht vor Annahmen und Interpretationen, oder: sich derer zumindest bewusst sein.
  4. Vorbereiten: die eigenen Ziele kennen, und wie gehe ich mit mir selbst um, wenn dies oder jenes passiert
  5. Durchführen: den Plan umsetzen, das Ziel im Auge behalten und zugleich offen sein, flexibel bleiben.
  6. Ergebnisse und Folgen klären
  7. Was denken Sie?

„Es gilt: Zwanzig Minuten eines ungemütlichen Gesprächs sparen Monate voller Missverständnisse und Fehler.

Lassen wir das Kopfkino sonntags beim Tatort – reden wir montags Klartext. Was denken Sie?“